Historischer Abriss

Die historischen Wurzeln der gemeinnützigen Bauvereinigungen liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Stimmen, die auf das heute kaum vorstellbare Wohnungselend des beginnenden Industriezeitalters – vor allem in den rasant wachsenden Städten – hinwiesen, wurden erstmals in der Revolution 1848 deutlich vernehmbar. Sie kamen überwiegend aus humanitär gesinnten, oder aus christlichen Kreisen. Sie blieben auch nicht ganz ungehört: verantwortungsbewusste Gemeinden errichteten erste „Armenwohnungen“, Industriebetriebe bauten Quartiere für ihre Arbeiter, staatliche Stellen solche für Beamte.

Gemeinnützige Bautätigkeit entfaltete ihre Dynamik von Anfang an im Zusammenspiel mit staatlicher Unterstützung für das Wohnungswesen:

Von grundlegender Bedeutung wurde der „Kaiser Franz Joseph I. Regierungs-Jubiläumsfond 1908“ vor allem deshalb, weil darin erstmals „Gemeinnützigkeit“ definiert wird, unter anderem durch Normierung von Gewinnbeschränkung. Dies, sowie das Wohnungsfürsorgegesetz 1910 führten zur Gründung zahlreicher Baugenossenschaften, die jedoch während des Ersten Weltkrieges großteils wieder verschwanden. Eine zweite, kurze Gründungswelle brachte der „Bundes -Wohn- und Siedlungsfond“ 1921. Sie zeigt deutlich, dass die Dynamik bei der Entwicklung des gemeinnützigen Sektors aus der fruchtbaren Interaktion mit Wohnbauförderung seitens der öffentlichen Hand kommt. Die Wirtschaftskrise bremste die Bautätigkeit ab 1925 ein.

Die in ihrer Grundstruktur jedoch nach wie vor bestehende, bunte und vielfältige Genossenschafts- und Bauvereinsstruktur mit viel Selbstverwaltungs-Engagement fiel 1938 der Naziherrschaft zum Opfer. Deren Wohnbauleistung war dürftig und generell der Kriegswirtschaft untergeordnet.

Zur dritten und bedeutendsten Gründungswelle gemeinnütziger Bauvereinigungen kam es dann in der Wiederaufbauzeit der Nachkriegsjahre. Dabei spielten der 1948 geschaffene „Wohnhaus-Wiederaufbaufonds“ sowie der wiederbelebte „Bundes- Wohn- und Siedlerfonds“ eine gewichtige Rolle. An der Wiege der 2. Republik standen 1945 bereits 141 Bauvereinigungen, und zwar 102 Genossenschaften und 39 Kapitalgesellschaften. 1955 gab es insgesamt 361 Gemeinnützige in Österreich (siehe Graphik). Diese „Rekordzahl“ sank seither durch einen kontinuierlichen Prozess von Fusionen und Zusammenschlüssen. Im Jahre 2001 wurden fünf Wohnungsgesellschaften im Bundesbesitz der Gemeinnützigkeit enthoben.

Derzeit gibt es 190 gemeinnützige Bauvereinigungen in Österreich, davon 99 Genossenschaften, 81 Gesellschaften mit beschränkter Haftung und 10 Aktiengesellschaften.